Merci liebe Sophia for choosing me

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Porträt Anna Termöhlen:                                 

Ein Pottkind macht glückliche Mode

Beim Betreten von Anna Termöhlens Laden fallen mir direkt zwei Auffälligkeiten ins Auge; einmal die Designerin selbst, aber auch die gemütliche und moderne Einrichtung des kleinen Lädchens. Anna macht einen sehr aufgeschlossen und freundlichen Eindruck, bietet mir direkt einen gemütlichen Sessel in ihrem kleinen Laden an. Wir unterhalten uns lange, schweifen zwischendurch ab, zu ganz anderen Themen, was dem Gespräch einen Charakter eines Treffens zweier Freundinnen gibt. 

Sie ist im ländlicheren Teil Duisburgs aufgewachsen und beschreibt ihre Kindheit als cool, da es mit zwei Geschwistern nie langweilig wurde. Durch den Besuch eines Nähkurses mit ihrer Mutter entwickelt sich schnell Annas Begeisterung für das Schneidern und die Mode. Schließlich näht sie sogar ihr Abiball-Kleid mit 18 selbst. Nach der Schule wurde ihr dann schnell klar, dass sie etwas Kreatives studieren möchte. Wobei sie sich dann zwischen Architektur und Mode für die feineren Materialien und Stoffe entschied. Aus dem Design-Studium am Design Department in Düsseldorf nahm Anna die Einstellung mit, Teile zu kreieren, die design-technisch etwas aussagen, jedoch immer noch tragbar sind. Anna konnte dann, nach dem Studium, ihren Traum verwirklichen und ihr eigenes Atelier, das AT-elier, in Duisburg-Neudorf eröffnen. Trotz der direkten Nähe zum Hauptbahnhof stand Anna vor Problemen wie mangelnder Laufkundschaft und einer zu kühl wirkenden Einrichtung im Laden. Dazu kam, dass sie im Verkaufsraum gleichzeitig auch noch ihr Atelier hatte, wodurch ein, für Kunden nicht besonders ansprechendes, “kleines Arbeitschaos“ entstand. Sie sieht ihre anfänglichen Probleme jedoch gelassen, erzählt, dass sie es witzig fand, ohne Erfahrung in den Einzelhandel gestartet zu sein. Sie stellte außerdem mit Erstaunen fest, dass im Laufe des Jahres die Ware unterschiedlich gut verkauft wird. Trotz der kleinen Probleme war sie mit ihrem Start zufrieden, vor allem, wenn man bedenkt, dass sie eine der wenigen Modedesignerinnen Duisburgs ist. Mit dem Umzug nach drei Jahren in einen kleineren Laden, ungefähr drei Straßen weiter, hat Anna ihr Atelier zum Designen und Schneidern nun zu Hause und im Laden wird nur noch verkauft. Dort hat sie mehr Laufkundschaft als vorher, wodurch sie auch einen sicheren Umgang mit ihren Kundinnen lernt. Der direkte Kundenkontakt und viel Feedback ermöglichen Anna herauszufinden, was ihre Kundinnen, die meist Stammkundinnen sind, mögen. Sie freut sich dann umso mehr, wenn zufriedene Kundinnen wieder zu ihr kommen und noch etwas kaufen. 

In ihren Kollektionen spiegelt sich Annas eigener Stil wider. Wenn sie im Laden arbeitet, trägt sie Oberteile von ihren eigenen Kollektionen und kombiniert diese meist mit lässigen Jeans und Vintage-Teilen. Anna kritisiert die verschwenderische Wegwerfgesellschaft, in der die meisten von uns leben. Sie selbst kauft lieber wenige, dafür hochwertige Teile, stöbert gerne in Antwerpens Second-Hand-Shops oder trägt schöne Vintage-Teile ihrer Mutter. Wenn sie ihre Kleidung kauft, weiß sie gern, wo die Teile herkommen und vor allem, ob sie auch unter akzeptablen Bedingungen produziert wurden. Sie bewundert die Mode und den Stil von Christian Wijnants, bei dem sie während des Studiums mal ein Praktikum gemacht hat, aber auch Vivienne Westwood als Person selbst.

Der Stil ihrer Kollektionen ist meist eher minimalistisch und reduziert, jedoch mit vielen liebevoll bedachten Details, die ihre Mode besonders und interessant wirken lassen. Auf ihre eigenen Ideen, wie eine schicke, aber gleichzeitig gemütliche Hose aus Baumwolle, ist Anna sehr stolz. Wenn jemand ihre Designs kopiert, verärgert sie das nicht. Sie erzählt, dass sie lernen musste, mit Kopien von ihrer Mode umzugehen und, dass man sich dadurch eher bestätigt fühlen sollte. Ihre Mode designt sie nach ihrem eigenen Interesse. Die Kollektionen haben besondere Themen, die Anna selbst bewegen und berühren. Sie sagt, sie macht ihre eigenen, persönlichen Themen zu einem Modethema und sucht während des Design-Prozesses immer wieder nach interessanten Inspirationen, die in das Konzept der neuen Kollektion passen würden. Ihre aktuelle Kollektion, “Hygge“, besteht aus gemütlicher Kleidung, die gleichzeitig aber schick und gut zu kombinieren ist. “Hygge“ ist das dänische Lebensgefühl von Gemütlichkeit und Sorglosigkeit. Für Anna steckt aber viel mehr dahinter. Sie nimmt sich gerne Zeit für ihre Freunde, spontan mit ihnen mal einen Kaffee oder Wein trinken zu gehen und kritisiert gleichzeitig, dass vor allem wir Deutschen bei solchen Treffen dazu verfallen, nur über die Arbeit und die Unzufriedenheit zu reden.

Auf die Frage, ob sie denn ein Pottkind sei, antwortet Anna lachend mit ja. Sie sieht sich selbst definitiv als Stadtmensch und lebt für die Industriekultur Duisburgs. Dort, wo andere Leute graue und triste Schornsteine und Hochöfen als unschön empfinden, fühlt sie sich wohl und findet es sehr ästhetisch. So schön, dass sie ihre Shootings für die neuen Kollektionen oft an Industriekulissen stattfinden lässt.

Ich empfinde Anna als eine sehr ehrgeizige Person, die genau das tut, worauf sie Lust hat und mit einem beeindruckenden Strahlen dafür brennt. Sie geht aufmerksam durch die Welt und lernt aus ihren Fehlern. Das sympathische Pottkind hat ihren Platz gefunden und überzeugt mit ihrem Mut, ihren besonderen Designs und natürlich der dänischen Gemütlichkeit in ihrer Mode.

Sophia Haßhoff

Friendsspecial am 11. November 2017